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Das Problem: Die Maschine pumpt ab, aber schleudert nicht hoch
Kennen Sie das Problem? Ihre Waschmaschine hat den Waschgang scheinbar erfolgreich beendet, das Wasser wurde abgepumpt, doch die Wäsche ist triefend nass, weil der entscheidende Schleudervorgang ausblieb. Oft begleitet von Fehlermeldungen wie E32 oder E35 (typisch für Bosch/Siemens) oder einer „Unwuchtkontrolle“ bei Miele? Dieses Szenario ist frustrierend, aber oft mit einfachen Mitteln zu lösen. In diesem Artikel erfahren Sie die häufigsten Ursachen und wie Sie Schritt für Schritt vorgehen können, wenn Ihre Waschmaschine nicht schleudert.
Ihre Maschine verhindert das Hochdrehen der Trommel meist aus zwei Hauptgründen: Entweder liegt eine tatsächliche Unwucht vor, oder die Steuerung erhält falsche Informationen über den Wasserstand oder die Drehzahl. Das Gerät schützt sich so vor Schäden und sorgt für Ihre Sicherheit.
Schritt 1: Ausschluss von Unwucht und fehlerhafter Beladung
Bevor Sie tiefer in die Technik Ihrer Waschmaschine eintauchen, ist es essenziell, die einfachste und häufigste Ursache auszuschließen: Probleme mit der Wäschebeladung selbst.
- Überprüfung der Wäscheverteilung: Öffnen Sie vorsichtig die Tür (falls Ihre Maschine dies zulässt). Oft hat sich ein großes, schweres Wäschestück (z. B. ein Bademantel, eine Bettdecke oder ein großes Handtuch) zu einem einzigen, kompakten Klumpen verfangen. Die Maschine erkennt dies als massive Unwucht, die bei hohen Drehzahlen gefährlich werden könnte, und weigert sich daher, den Schleudervorgang zu starten. Verteilen Sie die Wäsche manuell gleichmäßig in der Trommel und versuchen Sie, den Schleudervorgang erneut zu starten.
- Überprüfung der Beladungsmenge: Sowohl eine Überladung als auch eine zu geringe Beladung können die Unwuchtkontrolle Ihrer Waschmaschine überfordern. Bei zu wenig Wäsche (z. B. nur zwei kleine Handtücher) findet die Maschine nicht genügend Masse, um die Ladung auszubalancieren. Bei Überladung kann sich die Wäsche ebenfalls nicht richtig verteilen. Beides führt dazu, dass die Maschine den Schleudervorgang abbricht.
Schritt 2: Wenn der Drucksensor (Hydrostat) falsche Signale sendet
Ein oft unterschätztes, aber häufiges Problem, das das Schleudern Ihrer Waschmaschine verhindert, ist ein defekter oder verstopfter Drucksensor – auch bekannt als Hydrostat. Dieser wichtige Sensor ist dafür zuständig, den genauen Wasserstand in der Trommel zu messen. Bevor die Maschine mit hoher Drehzahl schleudern darf, muss die Steuerung (meist über den Hydrostat) absolut sicherstellen, dass wirklich das gesamte Wasser erfolgreich abgepumpt wurde. Gibt der Sensor hier falsche Werte, bleibt das Schleudern aus.
So prüfen Sie den Drucksensor indirekt:
- Symptom: Wenn der Sensor defekt ist oder – was häufiger vorkommt – durch Seifenreste, Flusen oder Ablagerungen verstopft ist, meldet er der Steuerung fälschlicherweise, dass sich noch Wasser in der Trommel befindet.
- Reinigung des Luftfallen-Systems: Der Drucksensor ist über einen dünnen Schlauch mit der sogenannten Luftfalle verbunden. Die Luftfalle ist ein kleiner Behälter, der sich am unteren Ende des Laugenbehälters befindet. Ablagerungen von Waschmittel oder Flusen können diesen Schlauch oder die Luftfalle selbst verstopfen, was die korrekte Druckmessung behindert.
- Behebung: Trennen Sie das Gerät UNBEDINGT vom Stromnetz! Legen Sie die Maschine vorsichtig auf die Seite oder entfernen Sie die Rückwand, um Zugang zum Inneren zu erhalten. Lokalisieren Sie den dünnen Schlauch, der vom Boden des Laugenbehälters zum runden Drucksensor führt. Lösen Sie den Schlauch vorsichtig und versuchen Sie, ihn durchzublasen oder die Luftfalle zu reinigen. Manchmal hilft es auch, den Schlauch von beiden Seiten zu reinigen.
Schritt 3: Das Tachometer als Schleuderverhinderer
Wenn Ihre Waschmaschine auch bei korrekter Beladung und nach Überprüfung des Drucksensors weiterhin nicht schleudert, könnte das Problem am Tachometer (oder Drehzahlgeber) des Motors liegen. Das Tachometer ist entscheidend, denn es meldet der Elektronik die aktuelle Drehzahl der Trommel. Fällt dieses Signal aus oder ist es fehlerhaft, kann die Maschine die Schleuderdrehzahl nicht präzise steuern und bricht den Vorgang aus Sicherheitsgründen ab. Dies kann sich auch in spezifischen Fehlercodes wie E60 oder F60 äußern.
Vorgehen bei Tachometer-Fehlern:
Das Tachometer sitzt meist direkt am Motor Ihrer Waschmaschine. Bei vielen Bosch- und Siemens-Modellen, insbesondere solchen mit Kohlebürstenmotoren, kann auch der Zustand der Kohlebürsten indirekt die Drehzahlmessung beeinträchtigen oder sogar den Motorlauf komplett verhindern. Prüfen Sie folgende Punkte:
- Motorgeräusche und -lauf: Dreht der Motor überhaupt nicht mehr an oder läuft er nur kurz und extrem langsam, bevor er stoppt? Ungewöhnliche Geräusche können ebenfalls auf Probleme hinweisen.
- Kohlebürsten (bei älteren Modellen): Wenn Ihre Maschine einen Kohlebürstenmotor besitzt, sind abgenutzte Kohlebürsten eine häufige Ursache für Motorprobleme und damit auch für fehlendes Schleudern. Überprüfen Sie den Zustand der Kohlebürsten. Sind sie kürzer als etwa 1 cm, müssen sie ersetzt werden. Dieser Austausch erfordert jedoch technisches Geschick.
Fazit und Sicherheitshinweis
In den meisten Fällen lässt sich das Problem, warum Ihre Waschmaschine nicht schleudert, entweder auf eine Unwucht durch fehlerhafte Beladung (siehe Schritt 1) oder auf einen verstopften Drucksensor (siehe Schritt 2) zurückführen. Diese Schritte können Sie oft selbst durchführen.
Sollten jedoch Probleme mit dem Tachometer oder andere elektrische Komponenten vorliegen, oder wenn Sie sich unsicher fühlen, ist es ratsam, einen qualifizierten Techniker hinzuzuziehen. Die Arbeit an elektrischen Geräten birgt Risiken.