Ihr E-Auto lädt nur mit 3,7 kW statt 11 kW: Ursachen für die Drosselung der Ladeleistung

Ihr E-Auto lädt nur mit 3,7 kW statt 11 kW: Ursachen für die Drosselung der Ladeleistung

Inhaltsverzeichnis

Sie haben in eine moderne 11-kW-Wallbox investiert, um Ihr Elektrofahrzeug schnell und effizient zu laden. Doch beim Start des Ladevorgangs stellen Sie frustriert fest: Die Ladeleistung liegt konstant bei nur 3,7 kW. Dies entspricht dem einphasigen Laden, obwohl Ihr Fahrzeug und Ihre Wallbox dreiphasig (3 x 16 A) laden könnten. Bevor Sie den Elektriker rufen, gilt es, die häufigsten Fehlerquellen systematisch zu prüfen und idealerweise selbst zu beheben.

Das Problem: Einphasen statt Dreiphasen-Ladung

Die Differenz zwischen 11 kW und 3,7 kW (oder 4,6 kW, je nach Absicherung) ist erheblich und kann die Ladezeit um ein Vielfaches verlängern. Die Ursache liegt meist nicht in einem Defekt, sondern in einer fehlerhaften Konfiguration oder einer Begrenzung, die entweder vom Fahrzeug, der Wallbox oder der Elektroinstallation herrührt. Bei 11-kW-Anlagen handelt es sich in der Regel um eine 3-phasige Verbindung (3 x 16 Ampere pro Phase), während 3,7 kW das Maximum für eine einzelne Phase bei 16 Ampere darstellen. Eine korrekte 11-kW-Ladung erfordert also die Nutzung aller drei Phasen.

Die 4 häufigsten Gründe für reduzierte Ladeleistung

1. Fahrzeuginterner Ladelimiter (AC-Ladebegrenzung)

Viele moderne E-Autos erlauben es dem Fahrer, die maximale AC-Ladeleistung im Fahrzeugmenü oder über die dazugehörige Smartphone-App einzustellen. Dies ist oft standardmäßig auf einen niedrigeren Wert (z. B. 8 Ampere oder 3,7 kW) eingestellt, um die Heimanlage oder das Laden an öffentlichen Säulen zu schonen. Prüfen Sie immer zuerst die Einstellungen des Bordcomputers und der Smartphone-App Ihres Fahrzeugs. Stellen Sie sicher, dass die maximale AC-Ladeleistung auf 16 Ampere (oder ‚Maximum‘) eingestellt ist.

2. Wallbox-Einstellungen und Lastmanagement (Phase Balancing)

Wenn Ihre Wallbox Teil eines intelligenten Lastmanagementsystems ist, das andere Verbraucher im Haushalt (wie eine Wärmepumpe oder den Herd) berücksichtigt, könnte sie die Ladeleistung dynamisch auf eine Phase reduzieren, um eine Überlastung des Hausanschlusses zu vermeiden. Überprüfen Sie das Web-Interface oder die App Ihrer Wallbox (z. B. bei KEBA, go-e, oder ABL):

  • Ist die Wallbox generell auf 11 kW (3 Phasen) konfiguriert?
  • Gibt es eine manuelle Begrenzung der Ampere-Zahl pro Phase, die auf 3,7 kW drosselt?
  • Wird nur eine Phase erkannt (dies könnte auf einen Fehler in der Installation hindeuten)?
Tipp: Temporäres Deaktivieren des Lastmanagements kann schnell zeigen, ob dieses System die Ursache der Drosselung ist. Testen Sie dies, um eine potenzielle Fehlerquelle auszuschließen.

3. Fahrzeugeigene Limitierung (On-Board-Charger)

Einige ältere oder spezielle E-Modelle verfügen trotz des dreiphasigen Anschlusses über einen Bordlader (OBC), der intern nur einphasiges Laden mit maximal 3,7 kW oder 4,6 kW unterstützt. In diesem Fall liegt keine Störung vor, sondern eine technische Begrenzung Ihres Fahrzeugs. Diese können Sie in der Regel nur durch den Einbau eines leistungsstärkeren OBC (sofern vom Hersteller angeboten und technisch möglich) ändern.

4. Phasenfehler in der Hausinstallation

Wird eine der drei notwendigen Phasen nicht korrekt zur Wallbox geleitet (z. B. wegen einer fehlerhaften Klemme, einer losen Verbindung oder einer ausgelösten Sicherung im Sicherungskasten), verweigert das E-Auto oft das dreiphasige Laden und schaltet automatisch auf die verbleibenden funktionierenden Phasen (was ebenfalls zu 3,7 kW führen kann) oder stoppt den Ladevorgang ganz. Wenn die Wallbox einen Fehlercode bezüglich Phasenausfall meldet, muss die Elektroinstallation umgehend von einem Fachmann überprüft werden.

Wichtiger Hinweis: Arbeiten an der Elektroinstallation dürfen ausschließlich von qualifizierten Elektrofachkräften durchgeführt werden! Unsachgemäße Eingriffe können lebensgefährlich sein und die Garantie beeinträchtigen.

Sofort-Checkliste: So beheben Sie die 3,7-kW-Drosselung

Gehen Sie die folgenden Schritte systematisch durch, um die Ursache der reduzierten Ladeleistung zu finden und idealerweise selbst zu beheben:

  1. Fahrzeug-Menü prüfen: Deaktivieren Sie alle Timer und Ladebegrenzungen (Ampere-Zahl oder kW-Limit) in Ihrem E-Auto und der zugehörigen App. Stellen Sie sicher, dass die maximale AC-Ladeleistung auf den höchsten Wert eingestellt ist.
  2. Wallbox neu starten: Trennen Sie die Wallbox kurzzeitig vom Stromnetz (über den Sicherungskasten) und starten Sie sie anschließend neu. Dies kann temporäre Kommunikationsfehler (z.B. nach dem ISO 15118 Standard) zwischen Auto und Wallbox beheben.
  3. Lastmanagement temporär deaktivieren: Wenn Ihre Wallbox über ein dynamisches Lastmanagement verfügt, deaktivieren Sie dieses vorübergehend in den Einstellungen, um zu prüfen, ob die volle Leistung dann anliegt.
  4. Anderes E-Auto testen (wenn möglich): Laden Sie ein anderes dreiphasenfähiges E-Auto an derselben Wallbox.
    • Volle 11-kW-Leistung beim Test-Auto? Dann liegt das Problem fast sicher an den Einstellungen oder dem Bordlader Ihres eigenen Fahrzeugs (siehe Punkte 1 und 3 oben).
    • Leistung auch hier nur 3,7 kW? Dann liegt ein Problem in der Wallbox-Konfiguration oder der Hauselektrik vor (siehe Punkte 2 und 4 oben).
  5. Protokolle checken: Viele moderne Wallboxen speichern detaillierte Lade- und Fehlerprotokolle. Werfen Sie einen Blick in die Log-Dateien über das Web-Interface oder die App, um zu sehen, ob ein spezifischer Kommunikationsfehler oder ein Phasenausfall protokolliert wurde.
Wann den Elektriker rufen? Bleibt die Ladeleistung nach diesen systematischen Schritten konstant auf 3,7 kW gedrosselt, und ist Ihr Fahrzeug definitiv dreiphasenfähig, sollten Sie einen zertifizierten Elektriker hinzuziehen. Dieser kann die Installation und die Verkabelung bis zur Wallbox überprüfen und die korrekte Phasenversorgung sicherstellen, insbesondere bei Verdacht auf einen Phasenfehler oder wenn die Wallbox einen entsprechenden Fehlercode meldet.

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