HPC-Laden im Sommer: Das E-Auto nimmt nur noch 50 kW an – Ursachen und Strategien gegen thermische Drosselung

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Ihr E-Auto lädt zu langsam? Die Tücken des thermischen Managements bei Hitze

Sie stehen im Sommer an einer Hochleistungsladesäule (HPC) und erwarten die volle Ladeleistung von 150 kW, 200 kW oder mehr. Doch die Anzeige stagniert enttäuschend bei niedrigen Werten, oft nur zwischen 50 kW und 80 kW. Dieses Phänomen ist im Hochsommer keine Seltenheit und meist kein Defekt der Ladesäule, sondern eine gezielte Maßnahme Ihres Fahrzeugs: die thermische Drosselung.

Das Batteriemanagementsystem (BMS) reduziert aktiv die Ladeleistung, um die Hochvoltbatterie vor Überhitzung zu schützen. Wir erklären Ihnen, warum dies geschieht und wie Sie die Ladeleistung Ihres E-Autos auch bei hohen Temperaturen optimieren können.

Warum drosselt mein E-Auto die Ladeleistung? Die Rolle des BMS

Die Lithium-Ionen-Batterie in Ihrem Elektrofahrzeug funktioniert am effizientesten und sichersten in einem bestimmten Temperaturbereich (häufig zwischen 20°C und 35°C). DC-Schnellladen erzeugt enorme Wärme. Wenn nun die Umgebungstemperatur hoch ist, hat das bordeigene Kühlsystem (Thermal Management System, TMS) Schwierigkeiten, die Temperatur schnell genug abzuführen. Die Folge:

  • Sicherheit geht vor: Um thermische Schäden oder eine vorzeitige Alterung der Batterie zu verhindern, greift das BMS ein.
  • Kühlungskapazität erreicht: Das TMS arbeitet am Maximum. Ist die Batterie bereits vor der Ladung warm (z.B. nach einer schnellen Autobahnfahrt), hat es keinen Puffer mehr.
  • Interner Widerstand: Bei höheren Temperaturen steigt der interne Widerstand, was die Effizienz senkt und die Hitzeentwicklung weiter beschleunigt.

Strategien zur Vermeidung der thermischen Drosselung

Sie können die Ladeleistung nicht erzwingen, aber Sie können optimale Bedingungen schaffen, damit das BMS die volle Leistung freigibt. Der Schlüssel liegt in der Vorkonditionierung der Batterie.

1. Nutzen Sie die Navigationsfunktion zum HPC-Lader (Vorkonditionierung)

Dies ist die wichtigste Maßnahme, die oft übersehen wird. Wenn Sie eine HPC-Säule (z.B. Ionity, Aral Pulse) im Navigationssystem als Ziel eingeben, startet das Fahrzeug, je nach Modell und Fahrstrecke, automatisch die Vorkonditionierung der Batterie.

Was passiert: Das TMS heizt oder kühlt die Batterie auf die ideale Starttemperatur für den Ladevorgang (oft ca. 25°C – 30°C).

Wichtig: Wenn Sie ohne Navigation einfach zur Säule fahren, ist die Batterie möglicherweise zu heiß oder zu kalt, was sofort zu einer reduzierten Ladeleistung führt.

2. Optimieren Sie den State of Charge (SoC)

Die höchste Ladeleistung erzielen Sie in der Regel zwischen 20% und 50% Ladestand. Laden Sie bei Hitze nicht unnötig lange, da die Ladekurve oberhalb von 80% ohnehin stark abfällt und die Hitzeentwicklung zunimmt.

3. Achten Sie auf das Timing

Versuchen Sie, Ihre längeren Ladevorgänge auf die kühleren Tageszeiten zu legen. Die Umgebungstemperatur hat einen signifikanten Einfluss auf die Effizienz der Batteriekühlung:

  • Morgen oder Abend: Wenn die Umgebungstemperatur 5°C bis 10°C niedriger ist, entlastet dies das TMS und ermöglicht potenziell höhere Spitzenleistungen.

4. Fahrzeug-Updates und Wartung

Stellen Sie sicher, dass Ihr Fahrzeug die neuesten Software-Updates installiert hat. Hersteller optimieren kontinuierlich das BMS und TMS, um die Ladeleistungskurve unter verschiedenen Bedingungen zu verbessern. Überprüfen Sie zudem den Zustand Ihres Kühlsystems (Kühlmittelstand) im Rahmen der regulären Wartung.

Zusammenfassung

Niedrige Ladeleistungen an HPC-Säulen im Sommer sind oft ein Zeichen dafür, dass das intelligente Thermal Management System Ihr teuerstes Bauteil – die Batterie – schützt. Indem Sie die Vorkonditionierung über die Navigation nutzen und den optimalen SoC-Bereich wählen, nehmen Sie dem System Arbeit ab und sichern sich die bestmögliche Ladeperformance.

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