DC-Laden stockt: Ihr E-Auto nimmt nur 20 kW an der Schnellladesäule – Was tun?

DC-Laden stockt: Ihr E-Auto nimmt nur 20 kW an der Schnellladesäule – Was tun?

Inhaltsverzeichnis

Sie stehen auf der Langstrecke, die Batterie ist leer, und die HPC-Säule verspricht 150 kW. Doch Ihr Fahrzeug startet den Ladevorgang nur mit minimaler Leistung (oft 20 kW bis 30 kW) und steigert sich nicht. Dieses Phänomen ist extrem frustrierend und deutet meist auf eine Kommunikationsstörung zwischen dem Fahrzeug-BMS (Batterie-Management-System) und der Ladesäule oder auf ein thermisches Problem hin, das eine sofortige Drosselung erzwingt.

Ursachenforschung: Warum lädt mein Fahrzeug so langsam?

Bevor Sie die Hotline anrufen, sollten Sie die häufigsten Fehlerquellen ausschließen. In den meisten Fällen liegt es nicht an einem Defekt des Fahrzeugs, sondern an einer Schutzmaßnahme oder einem temporären Kommunikationshänger:

  • Thermisches Limit (Hot/Cold Soaking): Die Batterie ist entweder zu heiß (z.B. nach Bergfahrt) oder zu kalt. Das BMS drosselt die Leistung zum Schutz der Zellchemie. Obwohl moderne E-Autos vorkonditionieren, schlägt dieser Mechanismus manchmal fehl.
  • Säulen-Kommunikationsfehler: Die Säule kann die angeforderte maximale Ladeleistung des Fahrzeugs nicht korrekt verifizieren oder es gibt einen Fehler im ISO 15118-Protokoll. Die Säule schaltet dann auf eine sichere Minimalleistung zurück.
  • Stecker-Kontaktprobleme: Selten, aber möglich: Verunreinigungen oder Feuchtigkeit an den Pins des CCS-Steckers können den Widerstand erhöhen und zu Fehlinterpretationen der Temperaturdaten führen.

Schritt-für-Schritt-Anleitung zur Behebung der Ladedrosselung

1. Sofort-Reset der Ladesäule (Prio 1)

Oftmals liegt der Fehler auf Seiten der Infrastruktur. Führen Sie einen vollständigen Reset des Vorgangs durch:

  1. Trennen Sie das Kabel sowohl vom Fahrzeug als auch von der Ladesäule.
  2. Beenden Sie den Ladevorgang in Ihrer App oder mittels Ladekarte (Session beenden).
  3. Warten Sie 60 Sekunden. Starten Sie dann den Ladevorgang komplett neu. Prüfen Sie, ob die Säule im Display nun eine höhere Startleistung anzeigt.

2. Überprüfung der Batterietemperatur (Vorkonditionierung)

Ist der Akku kalt, können Sie nur sehr langsam laden. Ideal sind Temperaturen zwischen 20 °C und 35 °C.

Tipp zur optimalen Vorkonditionierung: Für viele E-Autos (z.B. Porsche, Hyundai, Kia) ist es zwingend notwendig, die Ladesäule als Ziel im bordeigenen Navigationssystem einzugeben. Nur so kann das Fahrzeug die Batterie aktiv auf die optimale Temperatur vorheizen und eine schnelle Ladeleistung gewährleisten.
  • Die Notfall-Maßnahme bei Kälte: Fahren Sie zügig (wenn möglich) 10 bis 15 Minuten lang. Die Last des Fahrens kann die Batterie ausreichend erwärmen, um eine bessere Ladekurve zu ermöglichen.

3. Standortwechsel oder Betreiberwechsel

Wenn der Fehler nach dem Reset weiterhin auftritt und Sie wissen, dass Ihr Fahrzeug unter normalen Umständen schnell lädt, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die spezifische Ladesäule ein Problem mit ihrem internen Kühlkreislauf oder der Kommunikation hat.

  • Wechseln Sie auf eine andere Ladesäule des gleichen Parks.
  • Suchen Sie eine Säule eines anderen Betreibers (z.B. von Ionity zu EnBW). Dies schließt spezifische Hardware- oder Software-Inkompatibilitäten aus.

4. Überprüfung des Steckers und der Buchse

Überprüfen Sie visuell den CCS-Stecker. Sind die Kontakte sauber? Ist Feuchtigkeit sichtbar? Bei sichtbarer Verschmutzung (z.B. Sand oder Staub) versuchen Sie, diese vorsichtig mit Druckluft (wenn vorhanden) zu entfernen.

Wichtiger Hinweis: Niemals metallische Gegenstände zur Reinigung des Steckers verwenden, um Beschädigungen oder Kurzschlüsse zu vermeiden!

Prävention: So vermeiden Sie Drosselungen in Zukunft

Stellen Sie sicher, dass Ihr Fahrzeug immer die aktuellste Software-Version besitzt. Hersteller spielen regelmäßig Updates ein, die die Kommunikation mit neuen Ladesäulen-Generationen optimieren und die Effizienz des thermischen Managements verbessern. Nutzen Sie zudem stets die Routenplanung Ihres Fahrzeugs, um die Batterie optimal für den Schnellladevorgang vorzubereiten.

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